PERSPEKTIVEN

von hohen Bergen und grossen Fragen

Ich lese Berichte, höre Interviews und schaue Dokumentarfilme. Ich versuche auf das Erfahrene zu reagieren und es irgendwie in mein Leben zu integrieren. Ich möchte damit sensibilisieren und inspirieren. Klar, insgeheim wünsche ich mir, dass möglichst viele Menschen erkennen, wie leicht man etwas Gutes tun kann, ohne einen Abstrich an Ästhetik hinnehmen zu müssen. Ich will immer mehr erfahren und die Zusammenhänge zwischen mir und dem Rest der Welt erfassen. Ich merke aber, wie ich mich manchmal so von Fragen und Problemen meines eigenen Lebens ablenke. Während mich die grossen Schwierigkeiten und Konflikte in ihren Bann ziehen, kann es mir passieren, dass ich meine eigenen Sorgen ganz vergesse.

QUELLE BILD: https://www.welt.de/vermischtes/article164317498/Es-geht-nicht-um-Risiko-es-geht-um-Kontrolle.html

Vielleicht ist es wie beim Bergsteigen. Seit dem traurigen Ereignis von letzter Woche wollte ich mehr über den schnellsten Mann am Berg erfahren, ich hab Videos geschaut, in denen der er natürlich ohne Sicherung die steilen Wände hochgerannt ist und sah ihn dann oben stehen; ein kleiner Mann umringt von hohen Bergen. Wie winzig müssen da seine Probleme oder vielleicht sogar er selbst in seinen Augen geworden sein.  So ähnlich geht's mir, wenn ich mal wieder ein neues Thema ausgrabe und mich darüber informiere. Sei es die Schuhproduktion, Kleiderindustrie, Abfall, Flüchtlinge, Klimawandel.. um nur ein paar der Berge zu nennen, die ich zu erklimmen versuche. Ich weiss, dass ich für diese Berge keine Lösung habe, doch ich kann ein Bewusstsein dafür entwickeln und davon meine zukünftigen Entscheidungen beeinflussen lassen; zum Beispiel, weniger Müll machen und faire oder secondhand Klamotten kaufen und und und.



Wenn ich auf einem meiner Berge stehe, fühle auch ich mich richtig klein. Was will ich schon ausrichten? Wie klein sind schon meine "Sörgeli" im Vergleich zu diesen hohen Felsen. Nicht selten fehlen mir die Worte. Ich habe mich auf eine Zeit voll solcher Berge und Erfahrungen gefreut, und dachte, dass die Wellen in meinem Leben bald ganz still werden würden und ich so viel Zeit zum "klettern" habe. Doch ich habe mich getäuscht; die Wellen sind grösser geworden. Obwohl jetzt mit den Jobs von mir und Mischa und der hübschen Wohnung alles so sicher und klar sein könnte wie noch nie, standen wohl noch selten so viele offene Fragen im Raum. Fragen an die Zukunft und ans Leben. Wo gehören wir hin? Was wollen wir erreichen? Wie wollen wir unser Leben gestalten? Wir als Paar, aber auch ich ganz persönlich, werden in Moment ganz schön von diesen Fragen durchgeschüttelt. Meine "Berge", dieser Blog und die Fairmap - das ist mir alles total wichtig, trotzdem brauche ich jetzt Zeit für meine Fragen. Die Fragen, die von oben betrachtet so klein aussehen, entscheiden dennoch mein ganzes Leben und genau deshalb sind sie mir zu wichtig, als dass ich, jedenfalls bis  ich Antworten gefunden habe, meine Kraft aufwende um Berge zu besteigen. Alles hat doch irgendwie seine Zeit, die Berge und das Tal und was jetzt für mich Priorität hat, weiss ich ganz genau.


Nicht dass es mir leicht fällt. Doch ich verzichte jetzt besser ein paar Wochen auf "meine Berge" und widme mich diesen grossen Fragen.  Somit verabschiede ich mich auch von dir, denn ich werde in dieser Zeit auch keine Artikel posten. Auf uns und das Leben - bis bald, Zippora

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Kommentare: 2
  • #1

    Gabi (Dienstag, 09 Mai 2017 23:00)

    He dear, schön gschribe. Weise entschide. I fröie mi uf dis ComeBack�. Herzgruss!

  • #2

    zippora (Mittwoch, 10 Mai 2017 08:12)

    oh merci - mini liebi! das wird guet!


 

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Zippora Marti 

Schweiz

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