einer unter sieben Milliarden

Timisoara

Ich war wieder auf Reisen. Timisoara, Rumänien. Ja, das klingt unbedeutend und nicht sehenswert. Doch je mehr ich unsere Welt entdecke, desto hingerissener bin ich. All diese Menschen mit unglaublich vielen Geschichten. Es dröhnt in mir drin und will mir nicht mehr aus dem Kopf. Ja, wie wichtig doch diese Geschichten sind. All die Menschen, die bei der Revolution 1956 auf der Treppe vor der Kathedrale im ums Leben gekommen sind. Doch auch all diese Leute, die jetzt fröhlich zusammen mit mir über den Weihnachtsmarkt schlendern. Wie wichtig sie doch sind, die Geschichten all dieser Menschen. Geprägt von unendlicher Trauer und unübertrefflicher Freude. Voll mit Schrecken und Glück. Wut, Angst und Jubel. Ein kleines "hi", von allen verstanden, die Mundwinkel formen sich zu einem freundlichen Lächeln. Und da: für den Moment eines Wimpernschlages hast du diese Geschichte berührt. So rein und frei. Kurz und echt.

Ich will meine Ohren aufmachen. Will mir Zeit nehmen, diese Geschichten zu berühren. Will mir nicht zu fein sein zum zuhören. Ich will fragen, wer du bist. Will wissen wovor du Angst hast und was dich freut. Erfahren wo du herkommst und was deine Ziele sind. Was dich geprägt hat und dich zu dem machst, was du bist. Warum du liebst oder was dich zum schreien bringt. Nur einen Moment. Ich möchte Anteil nehmen an deinem Leben. Besonders jetzt. 



Du fragst dich vielleicht, warum ich das schreibe. Ja, das Interesse am Anderen rettet auf den ersten Blick ich keiner Weise unsere Welt. Doch ums Welt retten geht es mir gar nicht, sondern ums Sorge tragen. Und ich bin der Meinung, dass das Zusammentreffen unserer Geschichten, die Anteilnahme am anderen Leben, auf wunderbare Weise Grenzen überwindet. Es relativiert unsere Probleme und ich wage zu behaupten, dass wir woanders wären, wenn wir schon immer den anderen wichtiger und interessanter als uns selbst genommen hätten. 



Yann Arthus-Bertrand ist für mich einer der Grössten und er hat mit seinem Projekt "einer unter sieben Milliarden" für mich den Nagel auf den Kopf getroffen. Das Projekt setzte sich zum Ziel, zu entdecken, wie Lebenserfahrung die Identität eines Menschen prägt, zu sehen, was uns trennt und was uns verbindet und schliesslich einfach von den Erfahrungen anderer Menschen zu lernen. Es entstand aus dem gemeinsamen rein menschlichen Interesse am Anderen, jenseits vom Herkunft und Grenzverläufen. 6000 Interviews während sieben Jahren in 84 Ländern. Es geht um Solidarität, Grenzüberschreitung und um dich. 

Das Buch zieht mich in seinen Bann. Es weckt meinen Hunger an all den Geschichten dieser Weltbewohner. Es weckt mein Interesse an dir genauso wie das an Alizibeir (Tschad), Risma (Indonesien), Petrica (Rumänien) und Leena (Finnland). Ich will eure Erfahrungen und Ratschläge ernst nehmen. Denn alleine schaffen wir es nicht, alleine schaffe ich es nicht. Ja, nur Gemeinsam erreichen wir unser Ziel. (Nach "einer unter 7Milliarden", Éditions de la Martinière, Paris, 2012)



Es ist nicht so, dass mein Leben langweilig ist. Ich bin sogar glücklich und zufrieden und die tausenfach zitierten Grossen waren das bestimmt auch. Doch sind wir eigentlich nicht alle gleichermaßen unbedeutend und unentbehrlich. Stille oder laute Wesen, die nur das Beste geben, für die Sache, die wir gut finden. Ich, die Grossen und alle anderen. Also lasst uns die Leben der Anderen berühren, besonders die Geschichten derer, von denen wir denken, sie seinen klein und unbedeutend. 


Infos:

CHANGEMAKER hat das Buch dazu und HIER kannst du mit deiner Geschichte am Projekt teilnehmen - oooleh!!


 

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Zippora Marti 

Schweiz

zippora.marti@gmail.com