BERLIN

nicht ich.

Da ist sie wieder, die Stimme in mir, die schreiend flüstert: "Es geht nicht um dich". Sie begegnet mir ständig und hat immer das Gleiche zu sagen. Und ich glaube langsam, dass sie recht hat. Ja, ich bin nicht die Einzige. Ich bin irgendwie ein Teil von Allem. Ein Teil vom grossen Ganzen. Wie fasziniert ich bin, wenn ich tausenden von Menschen über den Weg laufe, und ich mir vorstelle, wo und wie sie leben, was sie mögen und was nicht und was sie wohl heute gemacht haben. Jeder hat seine Geschichte. Ich und du, das ist ja wohl noch leicht zu verstehen. Aber da sind Millionen, ja sogar Milliarden andere Menschen mit ihrem ganz individuellen Leben. 

Ich war letztes Wochenende in Berlin. Und ich dachte eigentlich, ich hätte danach viel zu erzählen. Aber ehrlich gesagt, hat mich dieses Thema die ganze Zeit über so sehr beschäftigt, dass ich von gar nichts anderem schreiben möchte. Die Stadt fasziniert mich, klar. Aber das faszinierendste bleibt, dass du sie auf eine sonderbare Art nicht nur besuchen kannst. Du wirst ein Teil davon. Die Stadtkarte in meinen Händen war das Einzige, woran man erkennen konnte, dass ich eigentlich nicht dazu gehöre. Ich wurde zu einem Teil der grossen, pulsierenden Masse. Und genau das habe ich geliebt.

Der Flohmarkt hat mir diese Tatsache noch mächtiger gemacht. Jetzt sind es nicht nur die Geschichten der Leute dieser grossen Stadt. Jetzt vermischen sich Geschichten aus verschiedensten Zeitaltern und Ländern. Ich liebe es, diesen Geschichten zu lauschen. Dinge zu berühren, die vor vielen Jahren ganz wo anders benutzt worden sind und zu wissen, dass sie vielleicht in ebenso vielen Jahren in einem anderen Land wieder auf einem Flohmarkt landen. Die Kreise der Zeit schliessen sich und grosse Distanzen werden zu kleinen Sprüngen. 

Ja wir hören sie, diese Geschichten. Wir müssen nur bereit sein, zuzuhören. Sie sprechen von unendlichem Leid und von unendlicher Freude. Oft zerreisst es mein Herz, wie da bei der Gedenkstätte für die Opfer vom Holocaust. Ich werde tief berührt. Ich weine. Und wiederum möchte ich nur noch jubeln über das Lächeln der Frau, die am Strassenrand ihre Blümchen verkauft oder über all die frechen (gelungenen) Fluchtversuche die während des kalten Krieges in Berlin gewagt wurden. (Hier habe ich mehr darüber erfahren

Ich frage mich, warum ich nicht dabei war oder warum ich schon jetzt auf der Welt bin. Ich frage mich, warum ich nicht woanders geboren wurde und warum ich bin, wer ich bin. Warum ich denke, wie ich denke und erlebe, was ich erlebe. Lauter Fragen und keine Antworten. Aber spielt es überhaupt eine Rolle? Ist es nicht einfach gut, wie es ist? Ja, ist es nicht zauberhaft, wie wir einfach ein Teil der Welt sein können?

Was mir übrig bleibt, ist meine Rolle und meine Verantwortung in dieser Masse zu übernehmen. Meine Geschichte zu erzählen und fremde Geschichten zu hören. Geben und Nehmen. Sein, wer ich bin, nicht für mich, sondern für die Welt.


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NOOOCH drei Tage und dann wird ausgelost - also nichts wie hü und mitmachen!! - hier geht's zum Wettbewerb.



 

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Zippora Marti 

Schweiz

zippora.marti@gmail.com