jetzt

eingebrannt und verewigt

Noch gar nicht so lang ist's her - ich sass mit ein paar wundervollen Leuten beim Pick-Nick * (Ich weiss, bei der jetztigen Kälte ist das schon eine unfassbare Vorstellung) als auf einmal Freundin ein hübsches Buch aus ihrer Tasche zog.  Sie ist Künstlerin mit dem Sinn überhaupt für Schönes. Da war also dieses Buch und sie klappte es auch auf - ich schaute ihr gebannt zu - was macht sie wohl damit? Sie klappte es auf, eine alte Postkarte fiel aufs Gras. Dann begann sie darin zu blättern. Notizen, Zettel, Erlebnisse, Wörter, Bilder und Zeichnungen. Alles was ihr wichtig war, stand wohl da drin. Persönlich. Und sie klappt es einfach auf - vor meinen Augen. Sie kritzelte, wahrscheinlich hat sie irgendetwas gehört oder gesehen, was sie nicht mehr vergessen will. Ich weiss nicht, was es war und ganz ehrlich - es war mir in diesem Moment auch egal. Ich fand es einfach nur schön, total persönlich und irgendwie berührend. Viele Fragen werden gestellt. Viele schöne Worte erreichen unsere Ohren. Manchmal liest man einen Satz, den man nie vergessen möchte. Aber wir vergessen. Viel zu schnell. Zumindest in mir drin ist irgendwo ein schwarzes Loch - je mehr ich mich an etwas erinnern möchte, desto schneller ist es aufgefressen. Oder was ist mit dem Moment der Muse, den man nicht nutzen kann, weil das alte Bahnticket in der Tasche zu klein, die Agenda zu voll und das Handy zu unpraktisch für Notizen ist. Ihr kann das alles nicht passieren. 





Nach dem mir diese schöne Moment am Fluss nun immer wieder in den Sinn gekommen ist, hab ich mir jetzt endlich ein eigenes Buch gegen mein schwarzes Loch besorgt. Hergestellt in England. Gefunden bei change maker Luzern. Häuschen, Linien oder Blanko - je nach Lust und Laune. - wie perfekt ist das denn?

Aber da ich mich nur all zu gut kenne und ich haargenau weiss, was sich in einer nicht besonders ordentlichen Handtasche alles abspielt und hübsche Bücher zwischen dem Gerangel von Getränkeflasche, Geldbeutel und Schlüssel oft ein bisschen leiden, muss ich die neue Kostbarkeit gebührend schützen. Ein prüfender Blick über mein Regal, da seh ich die weisse Jute. Perfekt. Dann kann`s ja losgehen. 


- Anleitung -

Material:

- Ein Stück fester Stoff - zum Beispiel Jute, Jeans oder Plane - was auch immer du magst.

- Für die Innenseite ein passender, aber möglichst feiner Stoff, damit sich die Seiten nicht aufrauen.

- Irgend ein Verschluss

- Natürlich eine Nähmaschine oder viel Geduld für die Handstiche.

UUUnd los gehts:

Zuerst das öde zuschneiden:

Jute:   Mein Buch hat die Masse 15x21cm. Ich hab also die Jute 19x48cm zugeschnitten

           (Breite: 15cm Buch + 2cm für genug Weite + 1cm Nahtzugabe rechts und links = 19cm

            Länge: 21cm x 2 = 42cm Länge und dann etwas Zugabe 42cm + ca 6cm = 48cm)

 

Futter:   19x52cm 

              Breite: Gleich wie Aussenmaterial

              Länge: Gleich wie Jute + 4cm (je zwei Zentimeter Nahtzugabe auf beiden Seiten = 52cm

 

Dann nähst du die Stücke an den kurzen Seiten 1cm tief zusammen (das Futter muss jetzt natürlich länger sein, da es dann um die Kante des Aussenmaterials gelegt wird). Ich hatte noch keine Idee, wie ich den Verschluss machen möchte, habe ich auf einer Seite eine Schlaufe aus Satinband positioniert und dann direkt mitgenäht. So hätte ich zumindest eine Schlaufe für einen Knopf.

 

Jetzt drehst du wie oben erwähnt das Stück um und "büschelst" es so, dass das Obermaterial flach liegt und sich das Futter schön regelmässig um die Kanten des Obermaterials legt - siehe Bilder. Dann legst du das Ganze flach aufs Bügelbrett und drückst mit dem heissen Bügeleisen alles fest. Jetzt kannst du an den langen Seiten die beiden Materialien zusammenstecken und dann nähen, damit auch ja nichts mehr verrutscht. Nun legst du das fast fertige Täschchen in die Hälfte und schliesst die beiden Seiten, dann alles schön versäubern mit einem Grossen ZickZack und endlich kannst du es auf dir richtige Seite drehen. Ich hab dann schliesslich eine Metallklammer an die Schlaufe befestigt, doch dir sind verschlusstechnisch keine Grenzen gesetzt. 


Jetzt kann ich endlich aufschreiben, was mir wichtig ist. Wann und wo auch immer es mir in den Sinn kommt. Ich freu mich auf all die Zeilen, Worte, Fotos etc. auf die ich hoffentlich bald zurückschauen kann. Ja, ist es nicht wunderbar? Wir, die wir immer allen Erinnerungen hinterherrennen, die wir vergessen, und so irgendwie daran gehindert werden, im Moment zu leben. JETZT. Ja, es geht mir nicht darum, immer und überall meinen Kopf in mein Buch zu stecken. Sondern viel mehr es gezielt aus der Tasche zu holen, um zu schreiben, was ich nicht vergessen will. So auf meine Art das JETZT zu erkunden, weil ich mich, wann auch immer ich will, voll in meine Gedanken fallen lassen kann, ohne die Angst, dass ich die wichtigen Einfälle wieder vergessen könnte. Geschichte schreiben auf meine ganz persönliche Art und Weise. Geschichte schreiben ohne Angst das Jetzt zu verpassen.


Zum schreiben hör ich laut Josh Vietti. Ich bin total begeistert wie leicht und schön er verschiedenste Stilrichtungen und Zeiten miteinander verschmelzen lässt. Mich hat klassische Musik immer zum träumen von alten Zeiten verleitet. Ich fühlte mich wie eine Prinzessin, schon nur wenn jemand "Pour Elise" auf dem Alten Klavier im Musikunterricht klimperte. Aber ich lebe ja jetzt. Umso besser spielt er jetzt auch für mich.                                

 

bis bald.

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Kommentare: 2
  • #1

    Jeannette (Mittwoch, 12 Oktober 2016 14:31)

    Danke Prinzässin für die Superidee.....
    ech be grad dra, s`Nähie wieder z`entdecke...und schwär am üebe.

  • #2

    zippora (Donnerstag, 13 Oktober 2016 18:17)

    Huui meine Liebe - darfi de gseh was bin üebe isch usecho? Liebi grüess.


 

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Zippora Marti 

Schweiz

zippora.marti@gmail.com